In unserer Umwelt orientieren wir uns mit Hilfe unserer Sinnesorgane. Die Wahrnehmung von Körperlage und -bewegung im Raum besteht primär aus zwei Komponenten, dem Gleichgewichtssystem (vestibuläres System) und dem visuellen System, also dem was wir sehen.
Ein Gleichgewichtsorgan dient Lebewesen zur Wahrnehmung von Beschleunigungen und zur Bestimmung der Richtung der Erdanziehungskraft. Der Reiz wird meist über Sinneszellen aufgenommen, die an einen oder – wie beim Menschen – mehrere speziell aufgehängte oder aufliegende Festkörper gekoppelt sind, so genannte Statolithen. Im Falle von Drehbewegungen dient häufig eine Flüssigkeit in einem Röhrensystem als träge Masse. Bei allen Wirbeltieren einschließlich des Menschen ist der Vestibularapparat das wichtigste Gleichgewichtsorgan. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichgewichtsorgan)
Unser Hirn errechnet die Körperlage – und bewegung anhand der Informationen des Gleichgewichtsorganes und dessen was wir objektiv sehen, eine Art künstlicher Horizont. Das Problem beim 3D Kino/Fernsehen ist nun, dass mit zunehmendem Realitätsgrad das Gehirn inkonsistente Informationen bekommt, was heissen soll, dass was wir sehen nicht zu dem passt was wir über unser Gleichgewichtsorgan empfinden. Während wir uns beispielsweise in der Perspektive unseres Leinwandhelden einen Wasserfall hinunter stürzen, knapp Felsen entkommend ins Wasser eintauchen, sagt unser Gleichtsgewichtsinn, dass wir in einem kuscheligen Kinosessel sitzen. Was sollen wir nun tun? Entspannen oder die Flucht ergreiffen? Diese beiden konträren Reaktionen werden unbewusst verarbeitet und aktiviert. Nun kommt es vor dass Personen bei uneinheitlichen Eindrücken mit Übelkeit reagieren, weshalb vielen Leute beim betrachten von 3D-Filmen schlicht schlecht wird.
Das Beschriebene Problem tritt also auf, wenn das Auge Bewegungen registriert, das Gleichgewichtsorgan jedoch nicht. Den Umgekehrte Fall, dass unser Gleichgewichtssinn Informationen lieftert, die das visuelle System nicht bestätigen kann, findet man bei Gleitschirm fliegen. Durchfliegt ein Gleitschirmpilot eine Wolke, so sieht er nichts als Weiss, der künstliche Horizont fehlt komplett als ob er die Augen schliessen würde. Während dessen macht der Gleitschirm oft abrupte und starke Bewegungen, ähnlich dem Gefühl wenn ein Sessellift plötzlich stehen bleibt und zu schwingen beginnt. In dieser Fluglage ist der Pilot orientierungslos, weiss nicht mehr was oben und unten ist. Allein die Vorstellung führt bei den meisten Personen zur Übelkeit.
3D heisst nicht für jedermann Kinogenuss. Was bisher in Freizeitparks ein einmaliges zehnminütiges Spektakel war, zieht sich nun über eine Kinofilmlänge durch. Die Filmemacher sollten sich überlegen wie weit sie mit der Technik noch gehen sollen, oder ob es nicht besser wäre das Geld in ein gutes Drehbuch mit anspruchsvollerem Inhalt zu investieren.