Skip to content

Der Spitaleintritt – Der erste Eindruck zählt

Ich war noch Fit und das bewies ich mir, in dem ich, von meiner Traumfrau begleitet, zu Fuss Richtung Universitätsspital marschierte. Da ein wenig Zeit übrig war genoss ich noch meinen letzten Kaffee an der ETH, wo ich bis kurz vor dieser Herz-Operation Informatik studierte. Kämpfte ich doch lange um dort hin zu kommen und der Gedanke bald im Gebäude gegenüber an Schläuchen hängend dahin zu vegetieren zwang mich wieder mal das Taschentuch zu zücken. Erfolg und Abstieg sind hier sogar geografisch sehr nahe beziehungsweise nur durch eine Strasse getrennt.

UZH Eingang

In der Eingangshalle sassen zwei Anzug tragende Herren hinter einem Empfangsbereich und grinsten einem breit an als käme eine Oma zur Bank. Dass ich mich nicht in einem Geldinstitut befand wurde mir klar, als ich auf die Herz- und Gefässchirurgische Abteilung begleitet wurde. Bevor ich hier fortfahre will ich nochmals betonen, dass wir uns hier im Bereich der Schweizer Spitzenmedizin bewegen und es weltweit wahrscheinlich nur eine Hand voll solcher Orte gibt. Ich bin mir des Glückes natürlich vollends bewusst und zu tiefst dankbar hier behandelt werden zu können, doch kann ich mir eine gewisse Portion Sarkasmus nicht verkneifen um auch auf die bis dato ungelösten Probleme aufmerksam zu machen. Zurück zur Abteilung und der Situation des Empfanges. Gesammelt wurden neue Patienten in einem mickrig länglichen Raum, der mit “Patienten Aufenthaltsraum” angeschrieben wurde. Auf der einen Seite stiess der Wartende sich den Kopf an einer Röntgen-Bild-Lampe. Auf der Gegenseite hing ein grosses Whiteboard auf dem irgendwelche Pflegetheorie gekritzelt wurde, die sich mit der Geburt und dem Sterben befasste, was mir sagte, dass dieser Raum nicht nur für Patienten zu sein schien. Später bestätigte sich dieser Verdacht, als ich sah, dass die Ärzte diese Rumpelkammer auch für ihre Sitzungen nützten. Während direkt vor dem Kämmerchen ein Halb nackter Mann auf einem Rollstuhl in die Patiententoilette gerollt wurde, breitete ich vorsichtshalber meine Privatsphäre aus, faltete sie sorgfältig zusammen und gab sie meiner Traumfrau mit der Bitte diese mir doch beim Verlassen des Spitals wieder zu geben. Betonen will ich mit dieser doch etwas zu detailliert geschilderten Situation, dass der erste Eindruck zählt und ich leider berichten muss, dass meiner Meinung nach die Spitzenmedizin bei der Tür zum Operationssaal beginnt und im Aufwachraum wieder endet, die Intensivstation mal ausgenommen. Wer hell beleuchtete Patientenzimmer mit Platz und grossen Fensterfronten à la Dr. House erwartet, der irrt sich gewaltig. Die Betten und die Apparate waren die einzigen Dinge die jünger waren als ich. Der Krankenhausflur glich dem klassischen Klischee eines Korridors aus einem billigen Horror-Film mit flackerndem Licht. Aufs Zimmer geführt, ein Zweierzimmer das zu meiner Überraschung einen schönen Blick auf den Zürichsee und die Uni bot, machte ich Bekanntschaft mit meinem dreimal älteren Zimmerkollegen. Der Leidensgenosse trank gerade sein Bier und ging im Laufe des Tages auch einige Male ins Raucherzimmer was zwar seiner Mobilität gut tat, jedoch nicht so seiner Genesung. Nach seiner achten Operation wegen Komplikationen war er jedoch ein wenig verstimmt was, man kann es sich ausdenken, mir nicht sonderlich half. Zwischen diversen Untersuchungen wurde mir alles erklärt und das Personal, nun muss ich natürlich auch noch ein Lob anbringen, war sehr freundlich und hatte eine Engelsgeduld. Auch hatte man fachlich das Gefühl hier in guten Händen zu sein. Am Abend diskutierte ich mich auf dem Stationseigenen Balkon noch lange mit meiner Traumfrau und mir fiel die Homogenität der Patienten auf. Meine Lieblingskrankenschwester meinte auf meine Frage ob den hier auf dem Balkon immer eine solche Biergarten- und Stammtisch-Atmosphäre herrsche, dass dies hier halt ihre Stammgäste seien. Vor dem zu Bett gehen machte mir meine Liebblingspflegefachfrau, man benutzt ja bekanntlich den Begriff der Krankenschwester nicht mehr, einen Orangenblüten Tee um besser zu schlafen. Na dann, Gute Nacht!

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *
*
*

Optimized by SEO Ultimate