Die Herz-OP ist nun genau einen Monat her und ich bin seit drei Tagen zuhause und besuche wieder die Vorlesungen. Die Reha in Gais half mir wieder in Form zu kommen und so konnte ich drei Wochen nach der OP auf dem Belastungs-EKG eine Leistung bringen, die fast so gut war wie vor der OP, nämlich 63%. Für mich ist das Ganze noch irgendwie surreal, doch nach dem mir jeder Arzt bestätigte, dass alles in Ordnung sei, kann ich mich damit abfinden, ein erlösendes Glücksgefühl der Erleichterung blieb jedoch aus. Eine gewisse Skepsis wird bleiben und schlummert in jedem, der eine solchen Eingriff hinter sich brachte.
Anfangs war es jedoch noch anstrengend den Alltag zu bewältigen. In der Rehabilitationsphase wird einem alles abgenommen. Man kriegt gesunde und feine Nahrung vorgesetzt, das Zimmer wird geputzt wie in einem Hotel und eigentlich geht man nur drei bis vier mal pro Tag irgendwelchen sportlichen Aktivitäten nach. Dass es da auf einmal anstrengend wird, wenn man selber kochen und das Bett machen muss, ist verständlich, zumal auch neue Bewegungen hinzukommen, die den Brustkorb belasten. So verpasste ich die Clanx-Party und lag abends halb schlafend im Bett, obwohl ich mir fest vorgenommen hatte dort hin zu gehen.
Das Training muss weiter gehen und so wurde ich auch auf das Leben nach der Reha entsprechend vorbereitet. Da ich Student bin hab ich das Glück, via ASVZ, gratis Trainingsgeräte und Fitnessraum zu nutzen. Dort treibe ich mich, wenn auch manchmal wiederwillig, vier mal pro Woche rum. Wenn ich zur ETH gehe muss ich am Unispital vorbei, wo ich ja operiert wurde. Der Gang in den Folterkeller fällt deswegen halb so schwer, denn lieber schwitze ich mir das T-Shirt voll als nochmals auf der anderen Strassenseite, im Unispital, zu landen.
Ich kann also all jenen, die eine solche Operation noch vor sich haben nur Mut machen. Das Leben wird weitergehen. Zwar spüre ich noch wie es in der Brustmuskulatur noch zwickt und zwackt, auch die Bewegungsfreiheit ist noch eingeschränkt, aber ich habe keine Schmerzen mehr. Für drei Monate muss ich noch Marcoumar nehmen, ein Medikament welches die Blutgerinnung senkt. Leider herrscht dort noch ein ziemlicher Hick-Hack, so dass die Werte hoch und runter gehen. Selbst einen Monat nach der OP konnten die Ärzte die Dosierung noch nicht einstellen, was für mich aber ein kleines Übel darstellt, wenn man bedenkt, dass ich das Zeugs wahrscheinlich sowieso nur noch zwei Monate nehmen muss.
Auch habe ich viele neue Erfahrungen gesammelt, Gute wie auch Schlechte. Und wie so viele Ereignisse hat auch dies mich geprägt. So bin ich doch viel ruhiger geworden und sehe den Dingen gelassener entgegen. Dinge die mich vorher verägert oder genervt haben nehm ich gar nicht mehr wahr und wenn dann ist es mir egal.

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